"..bezaubert durch seine Vollkommenheit und Beseeltheit." [Katholische Sonntagszeitung, 08/2012]

"Vom ersten Moment an nimmt diese CD für sich ein. Der Ton von Saxofonist Christian Elin und der Anschlag der venezianischen Pianistin Anna D'Errico, denen sich später weitere Musiker aus der Augsburger Region – Sebastian Hausl an Marimba und Percussion, Bastian Jütte am Drum-Set, Wolfram Oettl am Cembalo – beigesellen, bezaubert durch seine Vollkommenheit und Beseeltheit.

"Back to yourself" heißt die CD, benannt nach einem Stück des Kirchenmusikers Stefan Nerf. Ihr Name ist Programm. Im Trubel innehalten, wieder zu sich selbst kommen, das sollte jeder immer einmal wieder. Diese Aufnahme ist eine passende Begleitung dabei. Die eingespielten Werke sind ausnahmslos zeitgenössisch, die meisten von ihnen sogar Ersteinspielungen. Alle wirken wohltuend.

Der sanfte, verspielte, hymnisch-arkadische, ruhig, aber flott laufende, meditative, besinnlich stimmende Charakter bleibt durchwegs. Zum Abschluss gibt es ein "Haschmich": "Die schöne Sonne" von Manfred Stahnke ist ein Hoquetus, eine alte Satzform, auch "Schluckauf-Technik" genannt, das die Linie auf beide Spieler aufteilt und ein virtuos hopsendes Nacheinander-Zusammenspiel abverlangt. Der Komponist nennt das Ergebnis wie von einer "merkwürdigen Spieluhr" gespielt, allerdings mit hörbar weitem Hintergrund – ein wunderbar leichtfüßiger Ausklang.

Viele der Stücke sind nicht nur zeitgenössische Klassik mit Anklängen an den Modern Jazz und das moderne Kirchenlied, sondern buchstäblich Weltmusik, bedienen sich Techniken des Mittelalters oder arabischer, indischer, persischer Skalen wie Peter Michael Hamel in seinen minimalistisch-fließenden "Anverwandlungen".

Estnische Gesänge klingen in Lepo Sumeras melodiös rezitativischem "Senza metrum" an.
Einzig Enjott Schneiders dreisätziges "Lotus-Mandala" für Bassklarinette, Cembalo und Klavier erweitert die traditionellen Spiel- und Klanggrenzen, wirkt exotisch, bisweilen tapsig wie Griegs "Marsch der Trolle", erinnert an Gamelanorchester.
Teils Programmmusik sind die reduziert-stimmungsvollen "Drei Meditationen" von Minas Borboudakis. Das Resonanz-Flirren im zweiten Stück, das der sprechenden Saxofonmonodie folgt, verklanglicht Jesu Gang durch die Wüste, der sich vom Teufel verfolgt glaubt. "Dabei hört er sich selbst”, steht im Booklet. Die Entdeckung seiner Einsamkeit in der Wüstenweite ist auch für den Hörer fühlbar.

Einige Werke lassen improvisatorischen Freiraum, den Christian Elin und Anna D'Errico beflügelt betreten: Das Ergebnis stimmt zur komponierten Umgebung, wie das Zusammenwirken aller vollkommen harmonisch klingt. "Back to Yourself" ist eine musikalische Wohltat."

Stephanie Knauer



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